Kunst-Camp 2017

Inszenierte Körper – Körper in Szene gesetzt
7. Kunst-Camp der Kunstschulen von Baden-Württemberg

Passend zum 30. Jubiläumsjahr der Kunstschule, fand das diesjährige 7. Kunst-Camp der Kunstschulen von Baden-Württemberg in Offenburg statt. Eingeladen waren junge Teilnehmer/innen aus allen Jugendkunstschulen von Baden-Württemberg, sich im Kunst-Camp 2017 mit anderen Kunst-, Medien- oder Performancebegeisterten aus anderen Kunstschulen zu treffen. Zum künstlerischen Thema „Inszenierte Körper“ wurden zeitgleich vier Workshops angeboten: Skulptur und Mobile, Fotografie, Video und PerformanceArt sowie Textile Objekte. Das Kunst-Camp 2017 wurde von der Karl Schlecht Stiftung, dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg und dem Landesverband der Kunstschulen Baden-Württemberg gefördert.






Der künstlerische Nachwuchs steht bereits in den Startlöchern
Das Kunst-Camp Baden-Württemberg stellte sich dem Thema „Inszenierte Körper“

25 junge Leute aus ganz Baden-Württemberg, im Alter von 16 bis 23 Jahren, folgten in der letzten Pfingstferienwoche einer Einladung der Kunstschule Offenburg, der Karl-Schlecht-Stiftung, der Landesarbeitsgemeinschaft der Kunstschulen von Baden-Württemberg und des Landes Baden-Württemberg, sich für fünf Tage mit Gleichgesinnten zu treffen, mit denen sie die Leidenschaft für die Bildenden Künste teilen.

Dieses Treffen jugendlicher Kunstpraktiker/innen trägt den Namen „Kunst-Camp“ und wird einmal jährlich von einer der Kunstschulen von Baden-Württemberg ausgerichtet. Jede der Kunstschulen kann dazu einen oder zwei ihrer Teilnehmer/innen auswählen, die kostenlos am Kunst-Camp teilnehmen können, das neben einer Vertiefung künstlerischer Kompetenzen, auch der frühen Vernetzung mit Gleichgesinnten und einer persönlichen Begegnung mit aktiven Kunstschaffenden dient. Neben einer ganztägigen Atelierwoche stehen auch Ausstellungsbesuche, Angebote für ein freies Kulturprogramm oder Exkursionen zum Kennenlernen der Region auf dem Programm.





In diesem Jahr hat die Kunstschule Offenburg das Konzept geschrieben und ihre Ateliers für die möglicherweise nächste Künstlergeneration geöffnet. Das von Projektleiter Heinrich Bröckelmann entwickelte Wochenthema lautete „Inszenierte Körper“. Zu dessen künstlerischer Beantwortung konnten sich die Jugendlichen die Bereiche Fotografie, Skulptur und textile Objektkunst aussuchen, die unter der fachlichen Leitung von jungen Künstlern standen, die früher selbst einmal Besucher der Kunstschule Offenburg waren und es geschafft haben, sich nach einem erfolgreichen Studium eine künstlerische Existenz aufzubauen.

So stand der Bereich Skulptur unter der Leitung des Bildhauers Heiko Räpple, der nach seinem Vorstudium an der Kunstschule Offenburg sein Kunststudium an den Akademien Düsseldorf und Amsterdam absolvierte. 2011 zeigte der in  Oberkirch geborene Künstler in der Galerie des Kunstverein Offenburg-Mittelbaden, im Rahmen der Reihe „Debut“, große Skulpturen und Objekte. Heute arbeitet der Ortenauer in Düsseldorf. „Man merkt doch rasch, dass die Camp-Teilnehmer allesamt Kunstschulen in Baden-Württemberg besuchen - sie sind so eigenständig, dass sich meine Rolle sehr schnell von einer Workshop leitenden Funktion in Richtung Prozessmoderation und Beraterfunktion verschoben hat.“, beschreibt Heiko Räpple die Arbeitsintensität in den Camp-Ateliers. „Das hatten wir drei Künstler so nicht erwartet, zumal die meisten Jugendlichen sich hier extra neue Kunstsparten ausgesucht haben. Viele von ihnen sind ja brilliante Zeichner und Maler, die sich nun mit Material, Textilien, Digitalen Medien und der dritten Dimension „rumschlagen“.“

Das bestätigen auch die freischaffende Fotografin Tanja Truöl aus  Denzlingen und die Objektkünstlerin Dorothee Haller aus Straßburg. Beide leiteten zwei weiteren Ateliergruppen: „Die Motivation und Kreativität, mit der die Jugendlichen hier eingestiegen sind ist phänomenal und täglich fast neun Stunden in den Künsten konzentriert zu sein ist schon sehr ungewöhnlich – gerade für diese Altersgruppe, zumal sie ja abends auch noch im großes Begleitprogramm unterwegs sind, wie etwa zum Kunstbesuch nach Strasbourg.“





Emma (16 Jahre), die seit ihrem 5ten Lebensjahr die Offenburger Kunstschule besucht, hatte bereits im letzten Jahr am Kunst-Camp in Nürtingen teilgenommen. „Hier sind etliche, die mehrmals teilnehmen, so wie ich. Es ist einfach toll so zusammen zu arbeiten, neue Freundschaften zu schließen und vor allem viel Zeit zu haben, etwas künstlerisch zu entwickeln. Das ist in der Schule überhaupt nicht denkbar. In meinem fortlaufenden Jugendatelier, hier in der Kunstschule, arbeite ich fast ausschließlich mit Malerei, Zeichnung oder an kleinen Objekten. Darum habe ich mir jetzt den Bereich Fotografie ausgesucht. Privat wird dieser Workshop mit Sicherheit meine Fotografie verbessern, ich drücke mich aber doch weiterhin lieber grafisch oder über die Malerei aus - ich zeichne ja ziemlich viel, fast täglich.“

Marlon (18 Jahre), der aus Stuttgart angereist ist und dort eine Jugendkunstschule besucht, ist auch zum 2ten Mal dabei: „Es ist einfach genial, vier Tage dauerhaft ein Atelier nutzen zu können und Abends alles stehen und liegen lassen zu können, um am nächsten Tag da weiter zu machen, wo man aufgehört hat. Man kommt richtig weit. Außerdem ist es toll, wenn die Leute um einen herum genau so intensiv arbeiten, Ideen haben und sich nicht gleich zieren, wenn es mal darum geht rasch ein Bild zu zeichnen oder über Kunst zu sprechen.

Diese Aspekte unterstrichen auch die Vorsitzende des Landesverbandes der Kunstschulen Baden-Württemberg Monika Fahrenkamp und die Geschäftsführerin Sabine Brandes, die zur Stippvisite nach Offenburg gereist waren. Monika Fahrenkamp erläuterte: „Das Kunstcamp wurde vom Landesverband vor fünf Jahren ins Leben gerufen, weil es zu wenig Förderung für künstlerisch ambitionierte Jugendliche gab, dies wollten wir ändern. Außerdem soll das Kunstcamp einen Dialog zwischen Berufskünstlern und jungen Leuten eröffnen und künstlerische Experimentierfelder bieten, die von Individualität, Eigen-Sinn und Forscherdrang geprägt sind.“ Sabine Brandes beschreibt als weitere Ziele: „Neben einer Vertiefung der künstlerischen Kompetenzen dient das Treffen auch der frühen Vernetzung mit Gleichgesinnten und einer persönlichen Begegnung mit aktiven Kunstschaffenden. Das „Camp-Format“ soll den sozialen Rahmen einer temporären Künstlergemeinschaft bilden, in der Leben und Arbeiten unmittelbar zusammengehören.“

Weitere Informationen:
Landesverband der Kunstschulen Baden-Württemberg
www.jugendkunstschulen.de